Freitag, 8. September 2017

Frühförderung, ja oder nein?

Alle Eltern fragen sich früher oder später, selten oder häufiger: "Was können wir tun um unser Kind optimal zu fördern?"



Daran ist nichts verwerflich. Im Gegenteil es zeigt nur wie wichtig uns unsere Kinder und deren Entwicklung ist.

Wenn das Ganze in einen Förderwahnsinn ausartet, möchte ich jedoch laut rufen: "Stopp!"
Denn ich bin der Meinung, dass Kinder selbst am besten wissen, was sie gerade benötigen um sich weiterzuentwickeln.

Je kleiner die Kinder sind umso eher vertrauen wir darauf, dass sie selbst das Tempo vorgeben. Kaum jemand kommt auf die Idee einem Kind das Laufen beizubringen zu wollen. Je älter die Kinder werden umso unsicher werden wir.
Wir lesen von Zeitfenstern, die sich unwiederbringlich schließen und tollen Angeboten um genau jetzt den Grundstein für die optimale Entwicklung zu legen. Wir wollen uns später nicht vorwerfen lassen irgendetwas versäumt zu haben. Aber haben wir das wirklich, wenn das Kind nicht von einem Termin zum nächsten hetzt?
Ich rede hier nicht von Förderangeboten, die der Kinderarzt für sinnvoll erachtet. Ich rede vom 10. Englischkurs für den Eineinhalbjährigen, den dieser eher unwillig besucht, weil er doch viel lieber zuhause im Sandkasten sitzen würde.

Und seien wir mal ehrlich: Lernt er nicht im Sandkasten mindestens genauso viel wie im Kurs? Natürlich lernt er dort andere Dinge, aber sind die nicht vielleicht sogar zu diesem Zeitpunkt viel wichtiger.

Ich plädiere dafür unseren Kinder wieder mehr Kinder sein zu lassen. Wir sollten uns darauf beschränken ihnen die Zeit und den Raum zu geben selbst zu wählen was sie gerne lernen möchten.
Ganz ohne unser Drängen.
Wir müssen nur die Voraussetzungen schaffen, das sie frei spielen können.
Wir müssen mutig sein und ihnen zutrauen, dass sie wissen, was sie können und was sie gerne können möchten.

Ja, dieses Vertrauen ist wohl der schwierigste Punkt an der gesamten Sache. Denn seien wir ehrlich ist es nicht viel leichter, den nächsten Kurs zu buchen als sich bei Verwanden, Bekannten und manchmal sogar völlig Unbekannten dafür zu rechtfertigen, dass das Kind "einfach nur Kind" ist. Dass wir darauf vertrauen, dass es irgendwann all das kann, was es laut schlauer Listen können muss, was das Nachbarskind vielleicht viel früher gelernt hat.

Es ist nicht immer einfach in den alltäglichen Tätigkeiten unserer Kinder einen Sinn zu erkennen.
Sie matschen, kritzeln, malen. Sie rennen, klettern, hüpfen. Sie schneiden, reißen, kleben. Sie rühren, schmieren, gießen. Sie räumen aus und ein, sortieren. Sie stecken, klopfen, fädeln. Sie reden, singen, lachen. All das und viel mehr tun sie jeden Tag. Und mit jeder einzelnen Bewegung lernen sie. Nicht nur körperlich sondern auch geistig.

Vielleicht können sie so am Ende des Tages keine fünf neuen englischen Wörter, aber dafür haben sie ganz andere Dinge gelernt. Sie haben gespielt und nebenbei ihre Fingerfertigkeit trainiert, ihren Wortschatz erweitert, Frusttoleranz erworben und neue Verbindungen im Gehirn geschaffen. Verbindungen, die ihnen später ermöglichen genau das zu lernen was sie benötigen.
Ein Schritt nach dem anderen und erscheint es uns auch manchmal noch so banal. Wer nicht kritzelt wird niemals genug Fingerfertigkeit fürs Schreiben haben. Auch das Reißen der Zeitung in kleine Stücke schult die Kinder fürs Leben und sei es nur die Erfahrung, dass man anschließend aufräumen muss.

Deswegen lautet meine Antwort auf die Frage "Wie fördern wir unsere Kinder optimal?" Seid mutig und habt Vertrauen. Lasst euren Kindern die Freiheit Kinder zu sein. Ermutigt sie, auf sich selbst zu vertrauen, denn sie wissen selbst am Besten, was sie wann lernen wollen.
Und wenn sie einen Kurs besuchen wollen, dann lasst sie auch das gerne tun.

Dieser Beitrag ist mein Herzpost des Monats September 2017.
Mehr Artikel, die Bloggern besonders am Herzen liegen, findet ihr auf dem Blog Verflixter Alltag.


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