Dienstag, 21. April 2015

05.txt - Gleich kann manchmal ziemlich lang sein

Es sind wieder drei Wochen vergangen und Dominik hat in seinem Blog neonwilderness das fünfte Wort zu seinem Projekt *.txt veröffentlicht.
Nachdem ich beim letztes Mal im Rahmen des Wortes "Bild" über die Kunstwerke meiner Kinder geschrieben habe. Kommt nun mein Beitrag zum fünften Wort "gleich":

Bevor mein Mann und ich uns für ein drittes Kind entschieden haben, haben wir oft darüber nachgedacht, wie unser Familienleben zu fünft ausehen könnte. Nach zwei Kindern weiß man ungefähr was ein weiteres Kind für die Familie bedeutet.  Wir haben über die finanzielle Belastung, Kinderzimmer, Elternzeit und sogar über zukünftige Urlaube gesprochen. Langer Rede kurzer Sinn, wir haben uns für das unendliche Glück eines weiteren Kindes entschieden. 
Als ich dann endlich mit unserem dritten Wunschkind schwanger war, nagten allerdings Zweifel an mir. Je näher die Geburt kam, desto unsicher war ich mir, ob ich wirklich allen drei Mäusekindern gerecht werden könnte.

Jetzt, 8 Monate nach der Geburt des Knuddelkäfers, weiß ich, dass man Liebe nicht teilen muss. Sie ist immer im Überfluss vorhanden. Bei der Zeit ist das allerdings nicht so einfach. 

Wenn ich den Knuddelkäfer gerade in seinem Hochstuhl zum Essen angeschnallt habe und ihn nicht alleine lassen kann, weil trotzdem rausfallen könnte, der Kuschelbär von der Toilette nach Hilfe beim Abputzen ruft und im Erdgeschoss die Kaisermotte weint, weil sie sich nicht alleine umziehen will, dann würde ich mich gerne zerteilen. Da das nicht geht, hört man im Hause Maus oftmals das mittellaut gerufene Wort "gleich". Leider kann gleich auch mal ganz schön lang werden, wenn erst der Knuddelkäfer abgeschnallt werden muss. Der Kuschelbär zum dritten Mal vom Bad aus ruft, dass er Kacki gemacht hat und im Erdgeschoss das Weinen immer lauter wird. Wenn man den Kleinsten in sein Laufgitter setzt, dem Großen zu Hilfe eilt und man kaum im Badezimmer angekommen, zwei weinende Kinder hat. Wenn man dann wieder "Gleich" ruft und weiß, dass es doch noch dauern wird, dann weiß ich wovor ich während der Schwangerschaft Angst hatte. Ich muss entscheiden, welches Problem das dringender ist. Welches Kind am längsten warten muss. Es tut mir so unendlich leid, dass die Kinder warten müssen. Natürlich lernen sie so auch Selbstständigkeit und gegenseitige Rücksichtnahme. Trotzdem wäre es mir lieber, wenn ich in manchen Situation sofort für jeden einzelnen da sein könnte. 

Ein Einzelkind muss diese Situationen nicht meistern, es wird sich nie fragen "Bin ich immer an letzter Stelle in der Reihenfolge? Werde ich nicht so geliebt wie meine Geschwister?" Ein Einzelkind wird aber auch niemals diese enge, fast schon symbiotische Verbindung, die unsere Kinder haben, erleben dürfen.
Ich bin glücklich, dass wir drei wundervolle Kinder haben und habe unsere Entscheidung für ein große Familie noch keine einzige Sekunde lang bereut.

Dennoch wird "Gleich" zu rufen, niemals gleich zu machen ersetzen können, aber solange unsere Kinder wissen, dass wir sie alle gleich lieb haben, solange werden sie "gleich!" als das akzeptieren was es ist: Eine Bitte von Mama um Geduld und gleichzeitig das Versprechen immer, wenn auch nicht sofort, für jeden Einzelnen da zu sein.

Ich liebe euch mein Mäusekinder.

Mamakind? Papakind? Oder doch ganz anders?

Kennt ihr die Frage, ob euer Kind eher ein Mama- oder ein Papa-Kind ist? Bei uns würde diese Frage zu einer verblüffenden Antwort führen.

Natürlich hängt der Knuddelkäfer sehr an mir. Schließlich bin ich den gesamten Tag bei ihm. Ich bin fast ununterbrochen seit über 8 Monaten seine Ansprechpartnerin bei allen Bedürfnissen. Mittlerweile beschwert er sich auch schon mal lautstark, wenn ich den Raum verlasse. Also ist er ein Mamakind? Nein, eher nicht.

Wenn Papa Maus am Freitagabend nach Hause kommt, ist der Knuddelkäfer einfach nur begeistert. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Seine Augen leuchten und er streckt die kleinen Ärmchen in Richtung seines Papas. Er versucht immer Papa zu sagen und ist Papa in der Nähe interessiert es ihn auch überhaupt nicht, ob ich den Raum verlasse. Jetzt könnte man also denken der Knuddelkäfer ist ein Papakind.

Trotzdem würde ich weder dem einen noch dem anderen zustimmen. Sieht man von reiner Bedürfnisbefriedigung in diesem Zusammenhang ab, ist die Frage ganz einfach zu beantworten. Unser kleiner Mann ist ganz eindeutig ein Schwesterkind. Noch nie gehört? Bei uns passt das aber wie die Faust aufs Auge.




Die Kaisermotte ist seine Nummer eins. Sind sie ein paar Minuten getrennt und die Kaisermotte betritt den Raum sind alle anderen Menschen vergessen. Der Knuddelkäfer gluckst, die Kaisermotte rennt sofort zu ihm und umarmt ihn. Dann strahlen sie sich gegenseitig an. Oft drückt die Kaisermotte den Kleinen und dann spielen sie erst mal zusammen. Erst nach diesem Begrüßungsritual macht die Kaisermotte mit dem weiter, was sie eigentlich machen wollte. Der Knuddelkäfer beobachtet sie ununterbrochen. Weint er im Laufgitter oder Bett kann ich mir sicher sein, dass die Kaisermotte ihn schnell beruhigen kann. Der Kleine lacht über alles was seine große Schwester macht. Sie ist einfach sein Sonnenschein und vertreibt jegliche schlechte Babylaune. Deshalb würde ich immer antworten: Der Knuddelkäfer ist ein Schwesterkind.




Natürlich liebt der Kleine auch seinen großen Bruder und der kümmert sich genauso liebevoll wie seine Schwester. Im Januar hatte ich bereits über das selbstverständliche Bemuttern des kleinsten Mitbewohners durch die beiden großen Mäusekinder geschrieben. Das hat sich seit dem auch nicht geändert. Eher im Gegenteil die Verbindung unsere kleinen Rasselband wird immer enger. Mit jedem Tag wachsen sie mehr zusammen. Es ist eine Freude diese Geschwisterliebe zu beobachten und ich hoffe, dass sie sich diese Liebe bewaren und auch später immer zusammenhalten.

Mittwoch, 1. April 2015

Krabbelkäfer

Lieber Knuddelkäfer,

Knapp sechs Wochen nachdem du das erste Mal in den Vierfüßlerstand gegangen bist und genau einen Tag bevor du acht Monate alt wirst - also heute - kannst du richtig krabbeln.

Bereits sein einer Woche konntest du einen Schritt machen. Spätestens beim zweiten bist du zusammengebrochen. Doch heute hat es Klick gemacht. Du machst einen Schritt nach dem anderen und das auch noch in Highspeed. Du krabbelst, als ob du nie etwas anderes getan hast. Man sieht dir nicht an, dass du diese Fähigkeit erst einige Stunden beherrscht.
Die großen Mäusekinder lieben es dich mit Spielzeugen zum Krabbeln zu animieren. Du machst fleißig mit. Kein Wunder, wenn du danach erschöpft im Laufgitter einschläfst.

Baby schläft im Laufgitter

Jetzt ist nichts mehr unerreichbar für dich. Du liebst deinen neu gewonnene Freiheit und man sieht dir die Freude über diese neue Fähigkeit richtig an.
Bald schon wirst du dich hochziehen und deine ersten Schritte machen. Dann kann dich nichts mehr aufhalten. Mein süßer Knuddelkäfer du wirst so schnell groß. Ich liebe dich und freue mich auf jeden einzelnen weiteren Meilensteine, den wir gemeinsam feiern dürfen.

Deine Mama


04.txt - Was meine Kinder malen

Es sind wieder drei Wochen vergangen und Dominik hat in seinem Blog neonwilderness das vierte Wort zu seinem Projekt *.txt veröffentlicht.
Nachdem ich beim letztes Mal im Rahmen des Wortes "abgrundtief" über den Superlativ von Liebe geschrieben habe. Kommt nun mein Beitrag zum vierten Wort "Bild":

Die beiden großen Mäusekinder lieben es zu malen.
Die Kaisermotte malt mit ihren drei Jahren am liebsten Mondgesichter und daraus alle möglichen Männchen. Außerdem coloriert sie gerne große Flächen in allen Regenbogenfarben. Ihre Bilder sind bunt und fröhlich, meistens etwas abstrakt. Aber sie kann nach dem Malen immer sofort sagen, was zu sehen sein soll. Auch beim Ausmalen nutzt sie alle Farben, unabhängig davon was sie gerade ausmalt. Sie kann nicht leugnen, dass ihre Lieblingsfarben lila, rosa und rot sind. Ein echtes Mädchen eben.

Lächelndes Männchen von Dreijähriger gemalt


Der Kuschelbär ist mit seinen fünf Jahren an einem ganz anderen Schritt in seiner künstlerischen Entwicklung angekommen. Er malt weniger abstrakt und perfektioniert mit jedem Bild seine Fähigkeiten. Das bedeutet er wiederholt ein Motiv in allen möglichen Varianten, solange bis er seine Art gefunden hat. Genau wie ich als Erwachsene genau eine Art habe, wenn ich meinen Kindern schnell einen Baum, ein Auto oder ein Haus male. Das Lieblingsmotiv des Kuschelbärs waren bis vor kurzem 4-rädrige-Fahrzeuge. Er malte in immer anderen Variationen: normale Autos, Polizeiautos, LKWs, Pickups, Sattelschlepper und so weiter. Wie ein Comiczeichner der seine Figur in wenigen Sekunden aufs Papier bringen kann, so zeichnet er seine Fahrzeuge. Nachdem er mir und seinen Lieben monatelang Bilder von Autos schenkte, bekommen wir jetzt auch Bilder von Motorrollern. Natürlich kann er auch wunderschöne Häuser, Bäume und Flugzeuge malen. Aber er tut es nicht. Wieso sollte er auch, seine Autos sind so schön. Beim Ausmalen nimmt er es jetzt schon sehr genau und orientiert sich bei der Farbgebung an der Realität. Am liebsten malt er auch in Ausmalbüchern Autos und alle Arten von Fahrzeugen aus. Ein echter Junge eben.

Auto mit Ampel von Fünfjährigem gemalt


So unterschiedlich meinen beiden Großen die Welt auch abbilden. Ich bin von jedem einzelnen Bild begeistert. Ich freue mich, wie die beiden ganz vertieft ihre Stifte oder Pinsel halten und ganz in ihren Bildern versinken. Am meisten rührt es mich natürlich, wenn sie mir mit stolz geschwelter Brust ein kleines Kunstwerk mit den Wort: "Für dich Mama" überreichen. Nicht immer kann ich auf Anhieb erkennen was gemalt wurde, aber immer werde ich mein Kind in den Arm nehmen und "Danke" sagen.
Sie sollen lernen, dass das was sie malen immer richtig ist. Es muss nicht für jeden schön sein, es muss nur für sie selbst richtig sein. Dabei muss ich mir auch selber an die Nase fassen, denn ich neige zum Perfektionismus und korriere allzu leicht. Ich kritisiere auch und beiße mich danach aber oft auf die Lippen. Schließlich möchte ich, dass meine Kinder Spaß am Gestalten haben und dass sie sich frei ausleben.
Deshalb an dieser Stelle nochmal ein ganz großes Dankeschön an meine beiden Künstler. Ich freue mich über jedes eurer Bilder, helfen sie mir doch die Welt mit euren Augen zu sehen. Auf das eure Bilder immer so farbenfroh und glücklich sein werden.